Werkstattwissen Werkzeug, Ersatzteile und Werkstattausrüstung: Normen, Kennwerte, Auswahl.

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Drehmomentschlüssel auswählen: Bauart, Bereich, Prüfbescheinigung

Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messgerät, kein Kraftwerkzeug. Das erklärt jede Angabe, auf die es beim Kauf ankommt, und auch, warum er anders behandelt werden will als eine Ratsche.

Redaktion: Timo Hagedorn 3 Minuten Lesezeit
Drehmomentschlüssel mit Antriebsvierkant und Steckschlüsseleinsätzen auf einer Werkbank, hartes Licht von der Seite

Radschrauben nach Gefühl anzuziehen ist die häufigste Ursache dafür, dass sie sich lösen oder reißen. Der Unterschied zwischen fest und zu fest liegt bei einer Radschraube in einem Bereich, den eine Hand nicht auflöst. Deshalb steht in der Betriebsanleitung ein Anzugsmoment in Newtonmetern, und deshalb braucht es ein Werkzeug, das dieses Moment einhält.

Die Norm: DIN EN ISO 6789

Für handbetätigte Drehmomentwerkzeuge gilt DIN EN ISO 6789. Sie unterscheidet zwei Grundbauarten und legt fest, wie stark der ausgeübte Wert vom eingestellten abweichen darf und wie das geprüft wird.

Diese Norm ist der Grund, warum die Frage nach der Prüfbescheinigung keine Förmlichkeit ist. Ein Drehmomentschlüssel ohne dokumentierte Prüfung ist ein Werkzeug, das eine Zahl anzeigt, ohne dass jemand nachgesehen hat, ob sie stimmt.

Anzeigend oder auslösend

Anzeigende Werkzeuge zeigen das anliegende Moment fortlaufend an, über einen Zeiger oder eine elektronische Anzeige. Man liest ab und hört auf, wenn der Wert erreicht ist. Sie sind unempfindlich gegen Verstellung, verlangen aber Blickkontakt zur Anzeige, was unter dem Fahrzeug selten gegeben ist.

Auslösende Werkzeuge sind die verbreitete Bauart mit dem hörbaren und fühlbaren Klick. Der Wert wird am Griff eingestellt, und beim Erreichen löst ein Mechanismus aus. Man muss nichts sehen, was der praktische Vorteil ist. Der Preis dafür: die Mechanik ist der Teil, der sich über die Zeit verstellt.

Die Kennwerte

Messbereich. Er wird in Newtonmetern angegeben. Wichtiger als der größte Wert ist, wo der Arbeitspunkt im Bereich liegt: am unteren und oberen Rand der Skala ist die Abweichung am größten. Ein Schlüssel, der bis 210 Nm reicht, ist für 20 Nm die falsche Wahl, auch wenn die Zahl auf der Skala steht.

Antriebsvierkant. Angegeben in Zoll, üblich sind 1/4, 3/8 und 1/2. Er bestimmt, welche Nüsse passen, und begrenzt zusammen mit der Baugröße das sinnvolle Momentenband. Für Radschrauben an Personenkraftwagen ist 1/2 Zoll die übliche Größe.

Zulässige Abweichung. Sie steht in der Norm und in den Unterlagen des Werkzeugs. Eine Abweichung von wenigen Prozent ist normal und eingeplant; eine Angabe ohne jede Toleranz ist keine bessere, sondern eine unvollständige Angabe.

Was im Gebrauch dazugehört

  • Auf den Anschlag stellen ist nicht dasselbe wie entspannen. Bei auslösenden Werkzeugen empfehlen viele Hersteller, die Feder nach der Arbeit auf den kleinsten Skalenwert zurückzudrehen. Was gilt, steht in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Werkzeugs.
  • Nach dem Klick ist Schluss. Weiterziehen hebt den Zweck auf.
  • Nicht zum Lösen benutzen. Ein festsitzendes Rad wird mit einer Ratsche oder einem Kraftschlüssel gelöst, nicht mit dem Messgerät.
  • Nicht fallen lassen. Ein Sturz ist der klassische Grund, warum ein Werkzeug danach falsche Werte liefert, ohne dass man es sieht.
  • Nachprüfen lassen. Wie oft, hängt von der Nutzung ab. Die Hersteller nennen dafür Intervalle nach Zeit oder nach Zahl der Auslösungen.

Und der Wert selbst?

Das Anzugsmoment kommt nie vom Werkzeug und nie aus einer Tabelle im Internet. Es steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs oder in den Herstellervorgaben zum jeweiligen Bauteil. Bei Radschrauben hängt es an der Schraubenart, der Felge und dem Fahrzeug. Wer den Wert nicht sicher kennt, hat kein Werkzeugproblem, sondern ein Informationsproblem, und das löst eine Werkstatt in einer Minute.