Wagenheber und Unterstellböcke: heben ist nicht sichern
Ein Wagenheber hebt ein Fahrzeug an. Halten soll er es nicht, und darauf verlassen darf man sich nicht. Das ist die eine Regel, aus der sich alle übrigen ergeben.

Der Bordwagenheber im Kofferraum ist für einen Zweck gebaut: ein Rad am Straßenrand wechseln, zügig und einmal. Er ist schmal, hoch bauend und steht auf einer kleinen Fußfläche. Für Arbeiten unter dem Fahrzeug ist er nicht gedacht, und es steht auch so in der Betriebsanleitung.
Die Norm: EN 1494
EN 1494 gilt für fahrbare und ortsveränderliche Hubgeräte und zugehörige Einrichtungen. Sie umfasst damit Rangierwagenheber ebenso wie Unterstellböcke. Geräte, die im Handel angeboten werden, tragen eine CE-Kennzeichnung und kommen mit einer Betriebsanleitung in deutscher Sprache. Fehlt eines von beidem, fehlt die Grundlage, auf der man dem Gerät überhaupt etwas zutraut.
Die Kennwerte
Tragfähigkeit. In Tonnen angegeben, und sie bezieht sich auf die Last am Hubteller, nicht auf das Fahrzeuggewicht. Beim Anheben an einer Ecke ruht weniger als das halbe Fahrzeuggewicht auf dem Heber, aber die Reserve ist der Sinn der Angabe und nicht der Punkt, an dem man knapp kalkuliert.
Kleinste Hubhöhe. Der Wert, der am häufigsten übersehen wird. Passt der Heber nicht unter den Schweller, ist die größte Hubhöhe gleichgültig. Bei tiefer gelegten Fahrzeugen und bei Verkleidungen an der Unterseite ist eine flache Bauform die Voraussetzung.
Größte Hubhöhe. Sie entscheidet, ob man das Fahrzeug hoch genug bekommt, um die Unterstellböcke in ihrer Arbeitshöhe darunterzusetzen. Beides muss zusammenpassen, sonst hebt man an und kommt nicht zum Sichern.
Aufnahmepunkte
Wo ein Fahrzeug angehoben werden darf, legt der Fahrzeughersteller fest, und es steht in der Betriebsanleitung. Diese Punkte sind für die Last ausgelegt; die Bleche daneben sind es nicht. Bei vielen Fahrzeugen sind die Punkte an der Unterseite markiert, oft durch eine Kerbe oder eine Aussparung in der Verkleidung.
Ein Gummiauflagepad auf dem Hubteller schont die Schwellernaht. Es ersetzt aber nicht den richtigen Punkt, es macht ihn nur verträglicher.
Der Ablauf, der die Sache sicher macht
- Ebener, tragfähiger Untergrund. Kein Pflaster, kein Gefälle, kein weicher Asphalt in der Sommerhitze.
- Fahrzeug gegen Wegrollen sichern: Gang oder Fahrstufe einlegen, Feststellbremse anziehen, an der gegenüberliegenden Achse Unterlegkeile.
- Am vorgesehenen Punkt anheben, langsam und mit Blick darauf, ob der Heber mitwandert.
- Unterstellböcke setzen, an tragenden Punkten, beide auf gleicher Höhe, gesichert eingerastet.
- Fahrzeug auf die Böcke ablassen, den Heber angesetzt lassen, ohne dass er trägt.
- Vor dem ersten Handgriff einmal seitlich anschieben. Steht es, steht es.
Was hier nicht steht
Ob eine bestimmte Arbeit unter dem Fahrzeug für die eigene Ausstattung angemessen ist. Sobald Bremsanlage, Lenkung oder Rückhaltesysteme im Spiel sind, ist die Antwort ohnehin die Fachwerkstatt, unabhängig davon, wie sicher das Fahrzeug steht.